Das ehemalige Stadthaus des Klosters Isenhagen, welches sich in der östlichen Lüneburger Altstadt befindet, wurde vermutlich im Jahr 1558 (dendrochronologisch datiert) erbaut und ist als bauliches Einzeldenkmal ausgewiesen. Das Gebäude stand zum Zeitpunkt des Erwerbs leer.
Das Erscheinungsbild des ehemals repräsentativen Hauses war in einem bedauernswerten Zustand, der weder dem fast 500 Jahre alten Baudenkmal noch dem städtischen Umfeld gerecht wurde.
Nach dem Eigentümerwechsel 2023 und der fachlichen Unterstützung des auf Denkmalsanierung spezialisierten Architekturbüros Saborosch Architektur GmbH, begann im November 2023 die umfassende Kernsanierung durch uns, eine private Wohnungseigentümergemeinschaft aus sechs Personen. Das Gebäude wurde auf vier Etagen in fünf unterschiedlich große Wohneinheiten umgebaut.
Ziel war die Umwandlung des leerstehenden Baudenkmals in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für altersgerechtes Wohnen mit Mehrgenerationencharakter. Das Projekt wird durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Hansestadt Lüneburg sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.
Die Sanierung stellte uns vor erhebliche und teils unvorhergesehene Herausforderungen: Schäden am Holzständerwerk, eine kritische Gesamtstatik, sowie ein in Teilen nicht vorhandenes Fundament, das fast vollständig neu hergestellt werden musste, führten zu Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten, die die Gemeinschaft solidarisch getragen hat. Trotz dieser Widrigkeiten verfolgen wir einen konsequent denkmalpflegerischen und innovativen Ansatz: Historisch wertvolle Bauteile und Stilelemente werden erhalten, aufgearbeitet und wiederverwendet. Sieben verborgene historische Wandnischen und ein bauzeitlicher Kamin wurden freigelegt und liebevoll restauriert. Hierfür fanden originale Backsteine aus dem Haus selbst Verwendung und wurden ergänzt durch bauzeitgerechte Materialien aus dem Depot des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt e.V. (ALA), dessen Mitglied die Gruppe ist.
Wandmalereien und bemalte Deckenbalken wurden dokumentiert, gesichert und geschützt. Bauzeitliche Türen und die historische Treppenanlage vom EG ins 1. OG werden instandgesetzt; eine historische Farbanalyse liefert die Grundlage für die authentische Wiederherstellung von Außenwänden, Treppenanlage und Türen. Sämtliche Kastenfenster wurden maßgefertigt und nach historischem Vorbild neu hergestellt.
Parallel dazu wurden zukunftsweisende Lösungen für ein barrierearmes Alterswohnen entwickelt und erfolgreich genehmigt: Ein Fahrstuhlschacht wurde als inneres statisches Tragelement eingeplant, auf dem Zwischenböden und Treppenhaus lasten – eine ingenieurtechnische Lösung, um Barrierearmut und Denkmalpflege zu vereinen. Besonders gefreut hat uns die Genehmigung zur Installation einer vom Straßenraum nicht einsehbaren Photovoltaikanlage, die uns ermöglicht, ein nachhaltiges Energiekonzept umzusetzen. Das energetische Konzept umfasst neben der PV-Anlage eine Fußbodenheizung, eine Luftwärmepumpe samt Wärmespeicher, eine Innendämmung aus Lehm als ökologischem Baustoff, sowie eine Schieferfassade mit Außendämmung, die zugleich brandschutztechnischen Anforderungen gerecht wird. Im ertüchtigten Dachstuhl sorgen Gauben für ausreichende Belichtung des Dachgeschosses; eine Gartengestaltung mit Regenwasserdrainage und begrüntem Schuppendach zur Minderung des urbanen Wärmeinseleffekts rundet das Gesamtkonzept ab.
Fertigstellung und Einzug sind für Winter 2026/27 geplant. Mit der zentralen innerstädtischen Lage mit kurzen Laufwegen zur regionalen Nahversorgung, kulturellen Angeboten, dem Bahnhof sowie zu Ärzten und Apotheken soll das Wohnprojekt selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter ermöglichen und die Gemeinschaft fördern. Als eines der ersten Lüneburger Baudenkmäler in der Altstadt mit genehmigter PV-Anlage setzt das Haus zudem einen neuen Maßstab für die Vereinbarkeit von Klimaschutz und Denkmalpflege.